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Datum: |
01.07.2000 |
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Autor: |
Renate Rauch |
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Aus der Berliner Zeitung: SIE WERDEN PLATZIERT Im Engelbecken am Lietzensee Das Engelbecken, 1850 nach Lennés Plänen als Teil der Verbindung von Landwehrkanal und Spree gebaut, liegt zwischen Mitte und Kreuzberg und machte jüngst durch die Frage von sich reden, ob nach der Geröllbeseitigung der deutschen Teilung Geld aufgebracht werden könne, es nach historischem Vorbild mit Wasser zu füllen. Ob die Kneipe gleichen Namens vom Erkelenzdamm weg und hin an den Lietzensee zog, weil sich die Wasserfrage in Kreuzberg ewig nicht entschied, ist nicht bekannt. Vielleicht hatte sich auch nur der Reiz des scheinbar Unmöglichen verloren, das die Engelbecken-Crew in den 90er-Jahren vollbrachte. Sie hatte nämlich die Kiezklientel dadurch verblüfft, dass sie zwei scheinbar unvereinbare Topoi, Kreuzberg und Bayern, aufs Modernste miteinander versöhnte. Mit Leberkäs aus Biofleisch und rohen Holztischen und Brezn schaffte die Eckkneipe problemlos und politisch korrekt die Synthese von bodenständiger Tradition und Kreuzberger Autonomieanspruch. Und anstelle weiß-blauer Bayernrhomben hingen die Bilder der Köchin an der Wand. Neig’schmeckte aus süddeutschem Raum pflegten in dem winzigen Biergarten ihre Heimatgefühle, Kiezbürger kamen mit dem Fahrrad hin, und die gesamtdeutschen Zeitungsredakteure eines expandierenden Hamburger Verlagshauses, das in der Nähe eine Dependance hatte, feilten hier an Zukunftsprojekten. Als diese zu zerrinnen begannen, feierten sie ihre Abschiedspartys mit Weißwürsten und Bayernbier. Heute, da die Stadt gastronomisch von aller Welt besetzt ist, macht ein Bayernlokal in Kreuzberg keine Revolution. Das Engelbecken findet man seit vergangenem Herbst in Charlottenburg, fast möchte man sagen, es fällt nicht auf, weil es so gut hinpasst, höchstens durch den Namen, weil der nicht hergehört. Im Sommer kann man draußen sitzen, das Haus ist schöner, mit großen Fenstern, weiß gescheuerten Holztischen, karierten Landhausservietten. Auch das Publikum scheint bürgerlicher als in Kreuzberg, viele blonde Blazerfrauen essen viele schöne Blattsalate. Die Stimmung ist aber seltsam gelöst, heiter, flirtbereit. Liegt es am Lietzensee gegenüber, dass der Tag schneller entrückt, oder an der unkomplizierten Art der Gastgeber. Das geht nicht wie am Schnürchen, mit kalter Perfektion, da gibt s auch mal kleine Konfusionen, eine Wartezeit oder eine Verwechslung. Als bedienten hier nicht Gastronomen, die das perfekt gelernt haben, sondern Leute, die noch ganz andere Sachen können, aber Spaß daran haben, Gastgeber zu sein. Wieder hängen die Bilder der Köchin an der Wand, doch hat sie jetzt weniger Zeit zum Malen, wieder kocht sie alpenländisch - bayerisch, steirisch, italienisch. Es gibt Weißwürstl mit Händlmaiersenf, Leberkäs und Tafelspitz (11,50 bis 19 Mark). Wieder kommt das Fleisch aus tiergerechter Aufzucht und das Gemüse aus kontrolliertem Landbau, das beruhigt das Gewissen. Die Gerichte sind wie an einem vorzüglichen häuslichen Herd zubereitet, die Semmelknödel, Maultaschen, der Kartoffel-Gurkensalat, aber doch keine biedere Hausmannskost. Immer ist eine Raffinesse dabei, etwas, welches das einfachste Gericht in den Adelsstand hebt, wie das steirische Haselnussöl die Pellkartoffeln mit Kräuterquark. Man kann auch große Gerichte essen, für 25,50 Mark Lammkeule mit Kartoffelgratin, das eine erkennbare Struktur hat und kein Matsch ist wie häufig. Oder für 27 Mark eine Dorade vom Grill mit Aioli und Rosmarinkartoffeln, so köstlich gewürzt, dass es nicht das Mindeste auszusetzen gibt. Wie sie so wunderbar auf dem Teller liegt, blickt der Gast vom Nebentisch ganz neidisch herüber. Er kennt die Dorade des Hauses, doch leistet er sie sich nicht so häufig wie er herkommt. Vielleicht beim nächsten Mal. Engelbecken Adresse: Witzlebenstr. 31, Charlottenburg Telefon: 615 28 10 Öffnungszeiten: Mo-Sa 16-1 Uhr, So 12-1 Uhr Kreditkarten: EC, Visa, Euro |
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AUS ZITTY SPEZIAL:
„ESSEN UND TRINKEN“
The Engelbecken is and remains one of the best addresses in Berlin. In spite of the relocation of cross mountain in the Lietzensee the most important has remained: the excellent alpenländische kitchen and the exceedingly friendly crew. A delightful Rehgoulasch or the virtually legendary roast pork one cannot let escape. Besides, there are really good beers, how the yeast wheat of small Bavarian brewery Unertl or the Augustinian noble material. And the nicest: Here it is totally renounced Musikberieselung to the meal. A relief!
UNTERWEGS
aus „Der Feinschmecker“ 12/2000 S. 208
Engelbecken:
Alpine kitchen at the
Lietzensee
At the Lietzensee in Charlottenburg
the “Engelbecken” has opened, which was resident earlier in Kreuzberg. It is a
popular corner restaurant with big windows and alpenländischer kitchen. One
drinks Austrian and Italian wines or Bavarian beer (Unertl wheat beer,
Tegernseer Hofbräu). The kitchen uses fresh ingredients from ecological
cultivation and bio-meat. The pepper cream goulash of pork with finger noodles
and cucumber salad wakes up childish taste recollections, the brook char full
with herbs tastes as well as the land duck with bun dumplings and the
Grießflammerie to the dessert. In winter one sits inside at shining wooden
tables and in summer outdoors in the Green near the lake.
Inge Ahrens
,,Engelbecken",
Witzlebenstr. 31,14057 Berlin-Charlottenburg, Tel: 030-615 28 10, Mo-Sa open from 16 Uhr,
So from 12 Uhr; www.engelbecken.de, meals 7-17 €. EC+VISA+MASTERCARD
Dem Herrgott sei Dank, sagt der Exilbayer, gibt es in der preußischen Fremde das Lokal Engelbecken. Bereits am Eingang weisen zwei pummelige Puttenköpfe auf das hin, was sich hinter dieser Tür verbirgt: ein Stück barockes Bayern im protestantischen Berlin. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen, nicht volkstümelnder weiß-blauer Kitsch ist gemeint, barock wirkt hier die Einstellung zum Genuss.
Den ersten Eindruck in den hohen, hellen Räumen beherrscht der bemalte Tresen mit dem Engelbecken-Emblem, einem stilisierten Enzian. Die Einrichtung ist Teil des Gesamtkonzeptes: glatte Ahorntische, einfaches Mobiliar, Stoffservietten, edles aber schnörkelloses Geschirr. Das vierköpfige Wirtsteam möchte Moderne mit Tradition verbinden.
Das gilt auch für die Küche: Bei der Auswahl der Zutaten wird auf gesunde Produkte wert gelegt, das Fleisch kommt aus ökologischer und artgerechter Haltung. Neben traditionellen bayerischen Gerichten wie den hervorragenden Weißwürsten für 12 Mark oder dem Schweinsbraten mit Knödeln und Blaukraut für 21,50 Mark finden sich auf der wöchentlich wechselnden Karte auch italienisch beeinflusste Gerichte wie das Caniglio agli Aromi, Kaninchen mit Gnocci und Salat für 28,50 Mark.
Nicht umsonst legt Köchin Marion Moutell wert auf die Definition „Alpenländische Küche". Zusammen mit Heidi Zeidler ist sie dafür verantwortlich. Sie wirkt selbst so, wie man sich eine gute Köchin vorstellt, selbstbewusst und auch ein bisschen barock. Auch die Figuren auf ihren Bildern, die im ganzen Lokal zu bewundern sind, haben eine beeindruckende Opulenz.
Beinahe hätte sie sich wieder ganz ihrer Malerei widmen können, als nach vier Jahren in Kreuzberg das Lokal wegen überhöhter Mietforderungen aufgegeben werden musste. Zusammen mit Wolfgang Stoye und Stefan Vetter, die den Service organisieren, hatten die beiden Küchenchefinnen dann über ein Jahr nach neuen Räumen gesucht. Als sie das etwas heruntergekommene Lokal am Charlottenburger Lietzensee das erste Mal sahen, beschlossen sie aus dem Bauch heraus: „Hier können wir etwas bewirken."
Vier Monate Umbau verwandelten das düstere Restaurant in eine lichtdurchflutete freundliche Gastwirtschaft nach bayerischem Vorbild. Heute lässt es sich hier lange und genüsslich speisen und bei einem der vielen italienischen oder österreichischen Weine über das Leben im barocken, sinnlichen Süden philosophieren. Oder man sitzt im Sommer vor dem Lokal beim Unertl, einem einmaligen Weißbier für 5,80 Mark, und schaut einfach in den weißblauen Himmel über Berlin.
To the
man's God are thanks, says the exile Bavarian, there is in the Prussian
stranger the bar Engelbecken. Already at the entrance two chubby putting
heads on there, what show themselves behind this door hides: a piece of baroque
Bavaria in Protestant Berlin. So that here no misunderstandings arise, not
volkstümelnder white-blue kitsch is meant, baroque the setting to the pleasure
works here.
The
painted bar with Engelbecken-emblem, a stylized gentian controls the first impression in the high, bright rooms.
The equipment is a part of the total concept: smooth maple tables, easy
furnishings, material napkins, noble however plain dishes. The 4-headed
landlord's team would like to connect modern age with tradition.
This
also counts to the kitchen: With the choice of the ingredients it is thought
highly of healthy products, the meat comes from ecological and appropriate to
the species posture. Beside traditional Bavarian courts like the excellent veal
sausages for 6 € or the roast pork with dumplings and red cabbage for 11.50 €
influenced courts are found on the map changing weekly also in Italian like the
Caniglio agli Aromi, rabbit with Gnocci and salad for 14.50 €.
Not
free of charge cook Marion Moutell lays worth on the definition:
Alpenländische Kitchen. Together with Heidi Zeidler she is responsible for it.
She works herself in such a way as one fancies a good cook, self-confidently
and also a little bit baroque. Also the figures in her pictures which are to be
admired in the whole bar have an impressive opulence.
Nearly
she would have herself again completely of her painting can dedicate, as after
four years in cross mountain the bar because of more banked Rent demands it had
to be given up. Then together with Wolfgang Stoye and Stefan Vetter who
organize the service both chefs had looked about a year for new rooms. When
they saw the a little bit dilapidated bar in the Charlottenburger Lietzensee
the first time, they decided from the belly: „ Here we can cause something.
"
Four
months of rebuilding transformed the sombre restaurant into a friendly guest's
economy flooded with light according to Bavarian model. Today here it can be
fed long and with relish and philosophized with one of many Italian or Austrian
wines on the life in the baroque, sensuous south. Or one sits in summer before
the bar with the Unertl, a unique wheat beer for 3,20 €, and simply looks in
the white-blue sky over Berlin.
michael pöppl
Charlottenburg, Witzlebenstr. 31, U Sophie-Charlotte-Platz, T. 615 28 10, Mo-Sa 16-1 Uhr, So 12-1 Uhr, Küche bis 23.30 Uhr. main course: 8-17,- €. Kreditkarten: Visa, Mastercard, EC-Karte. Vegetarian. main course. Tables outside,
www. engelbecken.de
25.10.2001
Mein schönes Alpenland, wo bist du? Die Wände der Gasträume, ein großer übers Eck und ein paar Treppen höher ein zweiter, zieren moderne Bilder von einer der Engelbecken-Köchinnen, Marion Moutell, während die blanken Ahorntische mit unterschiedlicher Bestuhlung einen rustikalen Gastwirtschafts-Charakter ausstrahlen - sie könnten durchaus einem „Schafkopf" standhalten. Die sonst so übliche Alpengarnierung mit Krügerl hier und Schleiferl dort fehlt gänzlich; auch die Hintergrundmusik mit Anton und Konsorten, die somit einem angenehmen, intellektuellen und größtenteils gewachsenen Stammpublikum die Geräuschkulisse selbst überlässt
„Wir servieren alpenländische Küche mit internationaler Abwechslung", klärt uns, die Exil-Bayern, die Bedienung auf. Diese Erklärung war nötig, denn zwischen Schweinebraten und warmem Leberkäs, wirken Entenbrust mit Currydressing, französische Kartoffeltarte oder Ingwer- und Auberginen-Curry mit Kokosmilch befremdlich. Doch auch hier zieht sich - wie bei der Einrichtung - das Credo der Wirte-Mannschaft wie ein roter Faden durch: die Verbindung von Tradition und Moderne. Das muss man alles wissen, um nicht als Bayer/in mit argem Heimweh im Engelbecken zu landen.
Ich bin noch immer ein wenig preisgeschockt, denn sechs Mark für eine Weißwurst dürften preislich wohl einmalig sein - selbst im KaDeWe kostet ein Stück ohne Bedienung 3,50 Mark oder im Lindenbräu zwei Stück 8,90 Mark. Den genuin-bayerischen Geschmackstest hat das Paar bestanden, auch wenn die Würste ein bisschen fett waren und die weiche Beilagenbrezen mehr nach Berliner Art (Marke aufgebackener Laugenteigling) als nach bayerischem Import schmeckte.
Beim Vorspeisenteller ist der hausgemachte, mit Kernöl marinierte Tafelspitz und die Hasenterrine besonders hervorzuheben. Nur zum Bauernspeck hätte dunkles Bauernbrot besser als Baguette gepasst. Das Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurken-Salat für 29 Mark war riesengroß, sehr dezent gesalzen und wahrscheinlich so teuer, weil das Kalbfleisch, wie übrigens alles angebotene Fleisch, aus biologischer Haltung stammt. Mit dem frisch angemachten Kartoffelsalat wäre ich jedoch am liebsten in die Küche gegangen und hätte um eine Zwiebel, etwas Essig, Öl, einen Schuss Rindssuppe, Pfeffer und viel Salz gebeten - etwas mehr südliche Würze eben. Die Weinkarte ist klein und fein mit verständlichen Moderationen, die Bedienung aufmerksam und die Küche flott. Die Speisenkarte wechselt wöchentlich, und wenn die Würze und unser Geldbeutelinhalt nächste Woche stimmen, schauen wir durchaus wieder vorbei! Rose Marie Donheuser
Engelbecken, Witzlebenstraße 31 (Charlottenburg) T: 615 2810;
U Sophie-Charlotte-Platz, S Witzleben, Bus 204,149;
Mo-Sa 16-1 Uhr, So 12-1 Uhr. Küche bis 23.30 Uhr
Vorspeisen 8,50 bis 17 DM, Hauptspeisen 12 bis 32 DM, Desserts 7 bis 14,50 DM,
Softdrinks 3,50 DM, Bier ab 4 DM, Wein ab 7,50 DM, Flaschenweine 33 bis 48 DM
22/2OO1
Berliner Morgenpost vom 19.02.2002 im Lokalanzeiger:
Von M.-T. Nercessian
Charlottenburg - Der Lietzensee ist nicht der Tegernsee. Aber im Engelbecken werden Exilbayern trotzdem froh: Endlich mal wieder ein ordentlicher Schweinsbraten. Mit krachender Kruste, locker-leichtem Kartoffelknödel, speckgefüllten Semmelknödel, dunkler Sauce und Blaukraut. Leider ohne Krautsalat mit Speck. Die elf Euro sind trotzdem gut angelegt. Denn das gute Gewissen isst mit: Das Saalower Kräuterschwein lebte weitestgehend natürlich und erhielt Futter mit Kräutersamen, weshalb es fantastisch wuchs. Außerdem ist es einen Tag nach der Schlachtung bereits beim Küchenchef.
Das Wiener Schnitzel vom Milchkalb (15 Euro) passt kaum auf den Teller, ist knusprig und zart. «Klassiker», wie warmer Leberkäs mit süßem Senf und Breze (sieben Euro) und Weißwürst gibt es natürlich auch, obwohl man die ja nach dem Mittagsläuten eigentlich nicht mehr isst. Ausgeschenkt werden bayerische Biere, offene Weine und Flaschenweine. Das Publikum ist buntgemischt: Politiker, Studenten, Geschäftsleute.
Engelbecken, Witzlebenstraße 31, Tel.: 615 28 10.
Aus Zitty Essen+Trinken 2002-05-11
Pan-Alpin
Das haben wir jetzt davon, dass wir den Laden immer so loben:
Es ist Freitagabend und wir kriegen keinen Platz. Der Raum ist groß, weiß getüncht und voll mit gut gekleideten Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen. An der Wand entlang läuft eine Bank aus dunklem Holz wie in einem altmodischen Bahnhofswartesaal, und die feinen, unbehandelten Tischplatten sind auch ein haptisches Erlebnis. Manche, so heißt es, kommen von weit her, um hier ein Hefeweizen zu trinken. Sämig und genau richtig süß ist das Neumarkter Lammsbräu aus biologischem Anbau denn auch ein echter Genuss. Ebenso das Essen: Es gibt Bayrisches wie Weißwürste, warmen Leberkäse oder „Bifflamott", in saurer Beize geschmortes Rindfleisch nach altem Rezept, Österreichisches wie das knusprig zarte Wiener Schnitzel vom Milchkalb mit Kartoffel-Gurken-Salat. Aber auch Italienisches wie Spaghetti mit Pesto aus getrockneten Tomaten oder Salsicce mit Balsamico-Linsen. Manchmal auch eine Mischung aus verschiedenen Regionen wie auf dem Bratwürstlteller, auf dem die Merguez , eine scharfe französische Wurst aus Lammfleisch einträchtig mit ungarischer Kolbasz und Nürnberger Rostbratwurst daher kommt. Pan-alpin sozusagen.
All das von freundlichem Personal serviert. Wenn man erschöpft ist vom Überangebot an gastronomisch Überkandideltem, ist diese hochwertige Schlichtheit äußerst wohltuend. Uneigennützig, wie wir sind, werden wir also weiter loben. Hilft ja nichts
Bettina Homann
Charlottenburg. Witzlebenstr.31, Tel. 615 28 10,
U Sophie-Charlotte-Platz
Mo-Sa 16-1 Uhr, So 12-1 Uhr. Hauptspeisen 8-16 Euro
METRO RESTAURANT-TIPP im GATE SCHÖNEFELD
DAS ENGELBECKEN IN BERLIN-CHARLOTTENBURG
VON CLARA ERNST
Berliner und Münchner, Preußen und Bayern - eine beinahe unendliche Geschichte. Kudamm, Wannsee und Buletten hier. Leopoldstraße, Tegernsee und Weißwurst dort. Beharrlich zankt man sich um den Titel der attraktivsten Großstadt der Republik. Berlin darf sich als das politische Zentrum Deutschlands fühlen, bei der regionalen Küche haben die Bayern die Nase vorn. Mitten im Charlottenburger Kiez, direkt am Lietzensee, zeigt das Engelbecken seit gut anderthalb Jahren, was die bayerische Küche von der preußischen unterscheidet: hemmungslose Genussfreude. Hier gibt es warmen Leberkäs, der auf der Zunge zergeht, mit Händlmaiersenf und Laugenbrezl und hausgemachten Wurstsalat aus echten Regensburgern mit Zwiebeln und Schnittlauch ebenso wie das nach altbayerischem Rezept zubereitete Bifflamott -Rindfleisch in saurer Beize geschmort, mit Rahm verfeinert, dazu Kartoffelknödel und grüner Salat. Und dann das Bier: Kaltenberg Hell, König-Ludwig-Dunkel, Tegernseer Hell, Augustiner Edelstoff, Unertl und Lammsbräu - da haben's Kindl und Schultheiss schwer. Marion Moutell und Heidi Zeidler, die Köchinnen im Engelbecken, zaubern Wiener Schnitzel und Grünkern-Steinpilz-Pflanzerl in Meerrettichcreme ebenso auf die Teller wie Lammrücken-Medaillons in Rosmarin-Nuss-Kruste und Spaghetti mit Pesto rosso. Zusammen mit Wolfgang Stoye und Stefan Vetter bieten sie im Engelbecken moderne bayrische Küche in warmem Ambiente. Schlichte Ahorntische, einfache Bestuhlung, Stoffservietten, dezentes Geschirr, einzig die Bilder von Marion Moutell, die die Wände schmücken, haben etwas Opulentes. Ein angenehmer Hintergrund für angeregte Gespräche bei einem der vorzüglichen österreichischen und italienischen Weine - auch die hat das Engelbecken zu bieten. Noch ein Pluspunkt: Das Fleisch kommt aus ökologischer und artgerechter Haltung. Etwa das Saalower Kräuterschwein, das noch gestern im märkischen Schlamm wühlen durfte und Futter mit Kräutersamen bekam, bevor es als Schweinsbraten mit Semmel- und Kartoffelknödeln und Blaukraut auf den Tisch kam. Blaukraut? Na ja, in Berlin sagt man Rotkohl - macht aber nischt, ist trotzdem lecker.
Restaurant Engelbecken | Witzlebenstraße 31 | Berlin-Charlottenburg
Geöffnet montags bis sonnabends 16-1 Uhr, | sonntags 12-1 Uhr |
im Sommer 70 Plätze draußen |
Tel. 030/615 28 10 | www.engelbecken.de
SONNTAG, 18. AUGUST 2002
VON TISCH ZU TISCH
Engelbecken
Knödelküche mit Exkursen
Hatten wir noch nicht? Hatten wir noch nicht. Eigentlich seltsam, denn das „Engelbecken“ ist seit seiner Kreuzberger Zeit ein Restaurant mit zahllosen zufriedenen Stammgästen. Daran hat auch der Umzug in den edlen Teil Charlottenburgs offenbar nichts geändert. Das Erfolgsrezept ist leicht erkennbar: Es ist die brave, garantiert überraschungsfreie österreichische Knödelküche mit kleinen Exkursen nach Bayern und Italien. Ich gebe zu, dass das. wie alle Traditionsküchen der Welt. nicht die kulinarische Richtung meines Herzens ist - es reicht durchaus, wenn heimwehkranke Mitarbeiter von Stadtmagazinen beim Anblick eines über den Tellerrand lappenden Wiener Schnitzels samt Zitronenscheibe regelmäßig in Freudentränen ausbrechen.
Aber ab und zu darf es dann doch mal sein. Denn hier wird die Tradition auf aufgeklärte Weise gepflegt, ohne Schnörkel und Salatblattdekoration. ohne Tütensaucen und Friteusendunst. Und weil alles präzise gegart und exakt abgeschmeckt ist. wird selbst eine schlichte gebratene Forelle mit Gurken-Kartoffelsalat (leider das einzige Fischgericht) zu einem delikaten Erlebnis; der Preis von 9.50 Euro dürfte ein weiterer Grund für den heftigen Gästeandrang sein.
Zu dieser Restaurant-Linie gehört typischerweise der Mangel an Vorspeisen, jedenfalls an solchen, die viel Arbeit machen. Deshalb gibt es hier eine Art Antipasti-Teller. den wir nicht probiert haben, außerdem ein paar Suppen und Salate. Beispielsweise gebratenes Lammfilet mit Zucchini, Auberginen und Salat in einer gut gemachten Balsamico-Vinaigrette - die Art von Dingen, die jeder gern isst, wir auch (9.80 Euro). Ferner machten wir uns die Steinpilzravioli passend in einer halben Portion; die anstandslos gebracht wurde, gutes, kräftiges Aroma von getrockneten Pilzen, schön dünner Teig aus Vollkornmehl, gehobelter Parmesan. Exzellent auch das Wiener Saftgulasch, zart geschmort in einer sämigen, paprikawürzigen Sauce; die Semmelknödel hätten freilich ein wenig lockerer sein können (13 Euro).
Knapp ist das Angebot an Desserts: Es gibt genau zwei. Gegenwärtig fluffiges Grießflammeri mit Erdbeersauce und sehr guten Apfelstrudel. der gewiss nicht aktuell frisch hergestellt wurde, uns dennoch in seiner hausgemachten Reinlichkeit sehr erfreute. Dass das alles üppig dimensioniert ist und anschließend ziemlich heftig schwer im Magen rumpelt, sollten Anhänger moderner, leichter Küche freilich berücksichtigen.
Ein weiterer angenehmer Aspekt dieses schlichten, mit gescheuerten Holztischen und hohen, lichten Fenstern sehr anheimelnd wirkenden Restaurants ist das zügige Tempo. Man kann hungrig hingehen und wird doch die Vorspeisen auf dem Tisch haben, bevor es im Magen zu knurren anfängt, und es geht bis zum Dessert so flink weiter, gut organisiert vom aufmerksamen, überwiegend sehr freundlichen Service. Die Weine kommen aus Österreich und Italien;
schon die offenen, beispielsweise Veltliner von Wieninger (Wien), sind sehr anständig, und die kleine Weinkarte macht dann sogar richtig Freude. Tements formidabler Classic-Sauvignon kostet 19 Euro, der geschliffene Terrassen-Riesling von Sepp Moser 20 Euro. und auch die Beigaben wie Mineralwasser sind gästefreundlich kalkuliert. Auch Biertrinker stehen vor interessanten Alternativen, beispielsweise dem Weizen vom Neumarkter Lammsbräu.
Soweit ist das alles sehr empfehlenswert. In den guten Wiener Beisln - nehmen wir als Beispiel das „Grünauer"- wird allerdings charakterstärker und origineller gekocht, mit einem breiteren Spektrum an Zutaten. Aber Wien ist nun einmal nicht Berlin...
bernd matthies
ENGELBECKEN, Witzlebenstraße 31, Charlottenburg, geöffnet täglich von 16-1 Uhr, sonntags ab 12 Uhr. Tel. 6152810. Reservierung ratsam. Kreditkarten: EC-Lastschrift.
23.05.2003
in Zitty Spezial 22.....2003/2004.....,......Guide......Essen.....Trinken.....Berlin
Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass das
Engelbecken am Lietzensee
zu den besten Lokalen der Stadt zählt. Hier
stimmt einfach alles: ein schönes einfaches Ambiente mit hellen Tischen und Stoffservietten,
ein superfreundlicher Service, eine hervorragende alpenländische Küche und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis. Neben traditionellen bayerischen Gerichten wie den
sehr guten Weißwürsten, einem ehrlichen Leberkäse oder dem Schweinsbraten mit
Knödeln und Blaukraut, finden sich auf der wöchentlich wechselnden Karte auch
italienisch beeinflusste
Gerichte wie Gnocchi mit Salbei, Butter
und Parmesan. Bei der Auswahl der Zutaten wird auf gesunde Produkte Wert
gelegt, das Fleisch kommt aus ökologischer und artgerechter Haltung. Unbedingt
reservieren!
Bavarian
enclave combining modern and traditional „alpine" cuisine.
Bayrisch, Witzlebenstr. 31, U Sophie-Charlotte-Platz, Tel.6152810, Mo-Sa 16-1 Uhr, So 12-1 Uhr. Hauptspeisen 8bis16€. Tische draußen. www.engelbecken.de
ENGELBECKEN Charlottenburg Mo-Sa 16-1 Uhr, So 12-1 Uhr
Diese Speisekarte bietet alles, was Berliner offensichtlich am liebsten essen: bodenständige bayrische oder österreichische Gerichte, und manchmal unternimmt die bayrische Köchin Marion Moutell Ausflüge in die südeuropäische Küche. Außerdem sind die Portionen reichlich, die Preise erstaunlich niedrig, das geräumige helle Gasthaus mit den großen Holztischen wirkt sehr einladend, der Service ist immer freundlich und zuvorkommend, kurzum: Das Engelbecken müsste eigentlich jedem gefallen, der gerne essen geht.
Mein einziges Problem hier: Ich kann mich ausnahmsweise nur schwer zwischen Bier und Wein entscheiden. Auf der Weinkarte stehen viele gute Weine aus Österreich und Italien zu Preisen, die in der Gastronomie vom Aussterben bedroht sind: Weißweine für 18-23 Euro, Rotweine für 18-28, glasweise 3,60 Euro für 0,2 Liter. Die würden, wie der offene grüne Veltliner von Wieninger (0,2 l für 4,50 Euro) oder der Sauvignon blanc von Tement (19), auch gut zu den Brotzeiten passen, aber die enorm süffigen Biere aus Bayern locken ebenfalls: das Kaltenberg hell vom Fass, das Andechser Hefeweizen oder erst recht der Augustiner Edelstoff (aus der Flasche), eines der besten Münchener Biere, das seinen Namen wirklich verdient hat. Dazu vielleicht zum Auftakt erst mal zwei Weißwürste mit süßem, körnigen Händlmaiersenf und Breze (6), einen deftigen Bratwürstlteller mit Nürnberger Rostbratwürstl, Kolbasz (ungarisch, aus Rindfleisch), Merguez (französisch, scharf, aus Lammfleisch) und einer italienischen Bratwurst (gewürzt mit Rosmarin, Lavendel und Knoblauch). Oder eine sehr würzige Obatzda (6), das ist »angemachter« Camembert mit viel Paprika und Kümmel - spätestens dann muss aber schon dringend das zweite Bier her. Wenn man nicht gleich so deftig loslegen will, lohnt sich die einwandfreie Rinderbrühe mit Maultaschen (4,50) genauso wie die gebratenen Rieslingkrautkrapfen mit Schnittlauch-Joghurtsauce (8,50) oder der cremige Ziegenkäse in Eihülle mit Feldsalat. Das festfleischige halbe Huhn, auf den Punkt gegart, serviert Marion Moutell »baskisch« mit Paprika-Tomatengemüse und Reis (eine Riesenportion). Das gegrillte Schweinskotelett (mit Ratatouille, 13) stammt von Bioland-Betrieben. (Überhaupt sind alle Fleischarten hier von Tieren aus mindestens artgerechter Haltung, und das schmeckt man auch.) Die Beilagen bereitet die Köchin genauso sorgfältig zu; sie schmeckt generell sehr präzise ab, wie beim ausgezeichneten Kartoffel-Gurkensalat oder beim Krautsalat mit knusprigen Speckwürfeln. Den gab es zum hervorragenden Schweinsbraten mit einem Semmelknödel und einem Kartoffelknödel: Für nur 11 Euro ein grandios ausgeführter süddeutscher Klassiker, den man so auch in seiner Heimat lange suchen müsste.
Bei den Desserts gefällt mir der warme Apfelstrudel mit Vanille-Sauce (4,70) am besten, obwohl der mit Eierlikör geschichtete Nougatpudding (4,50) auch überraschend lecker war.
Witzlebenstraße 31,14057 Berlin, Tel.: 030-615 2810
Internet: www.engelbecken.de,
Vorspeisen 4-11, • Hauptgerichte 10-17, • Vegetarische Hauptgerichte -8-11, • Desserts 4-5,
Kreditkarten: Visa, MasterCard, Ec-cash
Mit der U 2 bis Sophie-Charlotte-Platz, Ausgang Suarezstraße, nach rechts in den Kaiserdamm gehen, die nächste links ist die Witzlebenstraße, Fußweg knapp 5 Minuten.
GENIESSER-GUIDE
Gastwirtschaft Engelbecken
WIRTSHAUS AM SEE
Am schönsten ist es spätnachmittags, wenn nur ein, zwei Gäste am Fenster zum Lietzensee hin rausträumen, oder den „Engeln" beim (Stoff-)Servietten falten zusehen. Das Engelbecken ist eine Art erweitertes Wohnzimmer mit ausgesprochen netten Gastgebern, und deren alpenländische Küche hat Charlottenburg längst erobert: Kürbiscremesuppe mit Ingwer und Honig. Bratwürstl-Teller mit Kartoffel-Gurken-Salat, geschmortes Lammhaxerl. Grießflammerie mit Fruchtpüree, oder, oder, oder- Dazu ein Unertl vom Fass oder ein frischer südsteirischer Weißburgunder - was braucht der Mensch mehr? Vielleicht noch dies: Nach dem Motto ..“Glückliche Tiere machen glückliche Gäste“ kommen Biolandprodukte auf den Teller, Saalower Kräuterschweine zum Beispiel. weil sie einfach besser schmecken. Die Vier vom Engelbecken haben ihr Wirtshaus gut gelaunt im Griff, der Gast ist König- die Preise stimmen, das Essen ist einfach lecker und der Laden brummt-
IngeAhrens
14057 Berlin-Charlottenburg, Witzlebenstraße 31 Tel. 0 30/615 28 19, Mo-Sa 16-1, So 12-1 Uhr, Reservierung wird empfohlen
126 essen & trinken Dezember 2003
28 TAZ BERLIN DIENSTAG, 11. MAI 2004
BERLIN - VON KENNERN FÜR KENNER
ESSEN: Spargel
Einzig das Wetter ist derzeit beschissen, denn sonst könnte man den besten Spargel der Stadt auch im Freien, fast direkt am Lietzensee zu Charlottenburg, verköstigen. Bester Spargel der Stadt? Na ja. Sagen wir's so: Wenn man in einer Woche dreimal im „Engelbecken“ Spargel isst und dreimal das Gefühl hat: Ja, genau! - dann passt das. Der Spargel, klar, kommt aus Beelitz, ist aromatisch, aber nicht bitter (Prise Zucker), fest gekocht. Ein Pfund. Wahlweise wird der Spargel mit Wiener Schnitzel (19 Euro) oder Rosmarinschinken (16 Euro) serviert. Immer dabei sind die Salzkartoffeln. Die Sauce Hollandaise ist freilich selbst gemacht, immer - und zergeht auf der Zunge. Hey, und da will kein Mensch mehr Tommy zu Hause servieren, nur weil man die Sauce Hollandaise nicht selbst hinbekommt. TOK
Engelbecken, Witzlebenstraße 31,
am Lietzensee in Charlottenburg.
U2 Sophie-Charlotte-Platz
TAZ vom 20.12.2004
Ein Wiener Saftgulasch wie es sein soll
Der Gastro-Test: Im „Engelbecken" am Lietzensee kann man gepflegt essen
- und über die Vorzüge eines Internatsbesuchs plaudern
Kein erhitztes Geblöke wie in Mitte: Das „Engelbecken" in Berlin-Charlottenburg
Eingeweihten muss man es nicht vorstellen, sie beklagen ohnehin, dass zu viel hergschertes Volk aus Szenen jenseits des vielleicht schönsten Fleckens Westberlins ihnen die gelegentlich raren Plätze streitig machen: Die Rede ist vom „Engelbecken", einem Speisehaus der bayerisch-österreichischen Art. Einst war es auf vormals klerikalem Gelände am nördlichen Rand Kreuzbergs beheimatet. Aber, na klar, das autonome Milieu mochte erstens keine Häuser, die nichts als das gastronomisch schöne Leben im Sinn haben, zweitens waren es die Leit, die das Göld in der Taschen tragen, leid, immer an den Saum vom schmuddelig-alternativen Kreuzberg zu pilgern, nur um sehr gut und extrabehaglich zu essen.
Jedenfalls: Am „Engelbecken" ist leicht zu studieren, wie taktvoll sich die besseren Kreise doch zu benehmen wissen. Kein erhitztes Geblöke wie in entsprechenden Gourmethäusern in Mitte oder rund um die Friedrichstraße, kein ,,Wallstreet"-Gesölch um nichts. Stattdessen feine Damen und zivilisierte Herren von Ende zwanzig,, bis Mitte fünfzig. An manchen Tischen werden neueste Aspekte psychoanalytischen Werdens erörtert, andernorts die Vorzüge eines Internatsbesuchs des eigenen Nachwuchses: Die Leute vom „Engelbecken" dürfen sich dieses kommunikative Setting zugute halten: So intim traut man sich eben nicht überall zu werden.
Und das Essen, natürlich, trägt das seine nicht nur bei, sondern verführt zum freundschaftlichen oder familiären Anlass: Es müssen Stammgäste sein, viele gewiss, die immer wieder das Haus besuchen - und auf deren Gesichtern sich doch die Freude auf die Speisen abzeichnet.
Das Fleisch, ob Geflügel, Lamm, Rind oder Schwein, entspricht, ganz und gar ökologischer Manier, die Gemüse schmecken, wie es keine holländische Zucht zuwege bringt. Die Speisekarte wird unentwegt variiert, die Lauchcremesuppe mit Knoblauchcroutons jedenfalls fand sich Tage später nicht wieder, aber es wird sie wieder geben - ein kräftig-sämiges Vergnügen, das aus einem schlichten Suppenzusatz eine Appetitlichkeit gemacht hat.
Saftgulasch schmeckt, wie es soll, kräftig und fein in einem. Das Wiener Schnitzel zählt in de Hauptstadt zu den besseren, Krönung ist der Kartoffel-Gurken-Salat, der den Essig schmecken lässt, aber in seiner Säure nicht die Gemüse zermürbt.
Dass mit Blick aus dem Lokal sommers sehr nah der Lietzensee schimmert: Umso schöner. Ein Biotop das zum besseren Leben verführt. JAN FEDDERSEN
Berliner Morgenpost, Montag 10. Januar 2005
Die Morgenpost testet „Wiener Schnitzel" in Berlin
Auf der Liste der ewigen Lieblingsgerichte steht unverrückbar das Wiener Schnitzel. Und auch wenn es mancherorts zum Kinderteller degradiert wird, findet es sich in Berlin selbst auf den Speisekarten der etabliertesten Restaurants. Zu Recht - schließlich soll das berühmte Stück Fleisch in Panade einst aus Angeberei in Norditalien erfunden worden sein. Als dort 1514 das Vergolden von Speisen verboten wurde, erinnerte man sich des Brauchs, Lebensmittel in ein goldenes Bröselkleid zu hüllen. Wieso es dann „Wiener" Schnitzel heißt? Weil Feldmarschall Radetzky das Rezept mit in seine österreichische Heimat brachte. Heute ist die Bezeichnung „Wiener Schnitzel" geschützt. Wenn sich auf dem Teller nicht Kalbfleisch findet, darf es sich nur „Schnitzel Wiener Art" nennen, was allerdings nicht heißen muss, dass das Ergebnis weniger gut schmeckt.
Engelbecken: Top-Spezialität
Im Restaurant Engelbecken am Lietzensee wird eine gelungene bayerisch-österreichische Mischung mit gelegentlichen italienischen Kostproben angeboten. Das Wiener Schnitzel vom Milchkalb (15,50 Euro) gehört zu den Top-Spezialitäten. Gleichbleibend 180 Gramm schwer (zwei bis drei Stücke je Portion), kross paniert und dezent gewürzt, ist es überaus zart. Hauchdünn geklopft wird das Fleisch in Mehl gewendet, paniert und in einer speziellen Ölmischung „souffliert", eine spezielle Art, es zu braten. Serviert wird das 15,50 Euro große Stück mit Kartoffel-Gurken-Salat und Zitrone. Das Ambiente -eine Kombination aus Tradition und Moderne. Einfaches Mobiliar, massive, blank gescheuerte Tische in den beiden hohen, hellen Räumen, karierte Stoffservietten - typischer Brauhausstil. Unbedingt reservieren.
Witzlebenstraße 31, Charlottenburg, geöffnet Mo.-Sbd., 16-1 Uhr, So., 12-1 Uhr, Tel. 6152810.
Wochenende | AUS DER HAUPTSTADT | Süddeutsche Zeitung | 2./3. April 2005
Berliner Schmankerl
Drei Gründe für einen Hauptstadtbesuch: der höllisch sprudelnde Almdudler im „Engelbecken" die marmorierte Schokoladenmousse im „Käfer-Dachterrassenrestaurant", das brezen-farbene Starkbier im „Weihenstephaner"
Die Bajuwarisierung der Preußen schreitet unaufhaltsam voran, jedenfalls kulinarisch
von Sven Siedenberg
Engelbecken
Schon wegen dem höllisch sprudelnden Almdudler sollte man in dieses Wirtshaus einkehren, welches direkt am Lietzensee (Charlottenburg) liegt. Aber auch wegen der vorzüglichen Auswahl bayerischer Biere. Im Angebot: Augustiner Edelstoff, Tegernseer Spezial, König-Ludwig-Dunkel, Andechser, Paulaner Thomasbräu, Weihenstephaner Hefe. Außerdem verwenden sie hier Bio-Schweinefleisch, Bio-Rindfleisch und Bio-Lammfleisch, was den Geschmack steigert und das Gewissen beruhigt.
Engelbecken
von anja reich am 11.04.2008 in der Berliner Zeitung
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Es gibt Momente, da überkommt einen eine gewisse Sehnsucht nach Ruhe, Unaufgeregtheit, nach schlichter guter Küche. Man hat das hektische Mitte satt und den betont lässigen Prenzlauer Berg, möchte keine Günter-Netzer-Frisuren mehr sehen, keine schrägen Ponys und keine Kellnerinnen, die lieber Model wären oder Schriftsteller oder Schmuckdesigner. An so einem Tag, einem verregneten Sonntagabend, sind wir ins Engelbecken an den Lietzensee gefahren. Es war eine spontane Entscheidung, wir hatten keinen Tisch bestellt, was ein Fehler war, denn schon von draußen sahen wir, dass alle Tische besetzt waren. Der Weg zurück war weit, also gingen wir einfach rein, standen einer Weile den Kellnern im Weg, die große Biergläser auf Tabletts an uns vorbei trugen, bis uns der Wirt, ein Mann mit gemütlichem Bauch und Halbschalenbrille, rettete. „Wir kriegen Sie schon unter", sagte er. Zwei Minuten später führte uns einer der Chefs an einen großen Tisch im hinteren Raum, der gerade frei geworden war.
Wir fühlten uns sofort wohl. Und das lag nicht am nachgemachten Landhausmobiliar, sondern an der gelassenen und unprätentiösen Stimmung in diesem Lokal. Es gibt hier Stammgäste, die den ganzen Abend an der Theke lehnen und nichts essen, nur Bier trinken, einen Chef, der in all dem Trubel mit einem Glas Rotwein in der Hand zwischen Küche und Gastraum hin- und herläuft, und die Gäste kann man sich gut in der eigenen Küche vorstellen. Männer in Strickjacken, Frauen in Jeans, Familien mit Kindern. Sie wirken wie Leute, die vorm Schlafengehen aus ihren Wohnungen herunter gekommen sind, weil ihr Kühlschrank leer war oder sie keine Lust zum Kochen hatten, oder weil sie wissen, dass sie es sowieso nicht so gut hinbekommen wie die Köchin vom Engelbecken, die übrigens auch die großen bunten Bilder an den Wänden gemalt hat. Ein Multitalent offenbar.
Sie heißt Marion, wie man auf der Website des Lokals erfährt, und hat sich auf Bio-Alpenländische Küche spezialisiert. Neben Salaten, Fischsuppe, Artischockenmousse und Grünkernpflanzerl stehen Speisen wie Tafelspitz, Leberkäs, Wiener Saftgulasch oder Rouladen auf der Karte. Im Engelbecken kann man das alles mit gutem Gewissen essen. Wenn schon nicht cholesterinarm, dann wenigstens Bio.
Die Kellnerin bringt Wasser, Wein (einen angenehmen Welschriesling für
5,30 Euro je 0,2-1-Glas) und einen Korb mit weißem und dunklem Brot, das wie selbst gebacken schmeckt. Der gemischte Salat mit Kernöl und Apfelessig (3,50 Euro) - meine Vorspeise - ist knackig und von diesem nussigen Geschmack, den ich an Kernöl so liebe. Noch lieber hätte ich ja mit Zanderfilet und Garnelen, mariniert mit Tomaten und Kräutern (8 Euro), begonnen, aber dafür hatte sich schon mein Begleiter entschieden, der mir nun vorschwärmte, wie supergewürzt, fest und trotzdem zart der Fisch war. Ich konterte mit Bachsaiblingfilet als Hauptspeise (15,50 Euro), an dem absolut nichts auszusetzen war, außer, dass er an den dünnen Stellen ein wenig zu salzig geraten war, was bei dünnen Filets aber leicht passieren kann. Ehrlich gesagt passiert mir das ständig.
Etwas zu viel Salz war auch das einzige, was mein Begleiter an seinem hausgemachten Bratwürstl vom Bio-Damwild mit Kartoffel-Lorbeer-Auf-lauf und Rahmwirsing (11,50 Euro) zu beanstanden hatte. Dafür lobte er den Auflauf, als wolle er mich nun auch damit neidisch machen. Zum Nachtisch bestellten wir Marzipan- und Kirscheis mit Schokoladentarte und Obstsalat –einTraum; -und beschlossen, bald wieder nach Charlottenburg zu kommen.
Man findet selten Restaurants, bei denen alles stimmt, und es fällt immer ein wenig schwer, es zu schreiben, weil die Besitzer dann mitunter hochnäsig werden und sich nicht mehr so viel Mühe geben. Das Engelbecken ist eine Ausnahme, da bin ich mir sicher. Es wurde oft gelobt, seit es im Jahr 2000 von Kreuzberg nach Charlottenburg gezogen ist und hat an Qualität nichts eingebüßt. Das nächste Mal werde ich allerdings einen Tisch bestellen.
Weitere Restaurantkritiken unter; www.berliner-zeitung.de/restaurants
aus Prinz 09.2009 Nicht
weit vom Lietzensee trifft sich Bayern mit Berlin in einer metropolitanen
Dorfwirtschaft. Dazu trägt neben schön gedeckten Tischen mit Stoffservietten
ein fulminant freundlicher Service bei. Ausgezeichnete alpenländische Küche,
die teilweise Bioland-Fleisch verwendet, sorgt für Proppenfülle in dem großen
Schankraum. Auch unter der Woche ist eine Reservierung ratsam. Zum Essen gibt's
einerseits Deftigkeiten wie ein herrlicher Schweinsbraten mit hausgemachten
Semmel- und Kartoffelknödeln und wunderbarem Krautsalat. Famos sind die
riesigen Kalbsschnitzel mit Kartoffel-Gurken-Salat. Aber auch Fleischloses ist
zu haben: Pfifferlingsstrudel mit Brennnesselspinat und Karotten. Die moderne
Variante des Szegediner Gulasch heißt hier Tofuspitzkohlgulasch mit
Serviettenknödel und grünem Salat. Dazu passen ausgesuchte Weine oder ein
Augustiner Helles. Hauptgericht 8-17,50 € Öffnungszeiten Mo-Sa 16-1, So 12-1 Uhr Bitte
reservieren ab 15 Uhr Tel.
030 615 28 10 Haltestelle U2
Sophie-Charlotten-Platz Wo die Feinschmecker unter den KUNSTZEITUNG-Autoren besonders gerne essen Inge Ahrens bei Marion Moutell, Engebecken, Berlin: In den Neunzigern arbeitete ich für die Berliner »Wochenpost«. Mittags kochte Marion Moutell im Kreuzberger »Engelbecken«. Durch die Küchenluke guckte ich in die Töpfe und durfte naschen. So hat sie mich angefüttert. Als die »Wochenpost« ausgemustert wurde, war es aus. Ich jammerte. Das half. 1999 zogen Marion, Wolfgang und Stefan
mit ihrem »Engelbecken« zu mir an den
Lietzensee in Charlottenburg. Seitdem kocht
Marion (natürlich nicht alleine) dort allerbeste
Qualität, obwohl sie eigentlich Malerin
ist. Ihre Bilder hängen im Gastraum.
»Meine gastronomische Prägung verdanke ich Anamirl Bierbichler«, erzählt
sie. Die bestand nämlich auf bayrisch geprägter Küche, als in den achtziger Jahren ein Gastronomie-Kollektiv von Aussteigern und linker Szene samt Marion das
Familienlokal der Bierbichlers,
»Fischmeister« am Starnberger See,
pachtete. Ein Glück für Berlin! Denn
so ein Stück süddeutsche Gastfreundschaft
samt alpenländischer Küche tut der Stadt sehr gut. Für mich ist das
»Engelbecken« mein zweites Wohnzimmer und Marion die allerbeste Köchin. Das warme gelbe Licht hinter
den großen Scheiben verheißt
Gemütlichkeit, bayrisches Bier und gute Küche.
Doch wer spontan hereinschneit, wird
meistens Pech haben. So beliebt das Lokal ist, so voll ist es auch,
und das an (äst jedem Wochentag seit
beinahe zehn Jahren. Wenn man spontan
kommt, bringt man am besten die
nötige Geduld mit, trinkt das erste Bier im Stehen am Tresen und sieht zu, wie
die Bedienungen schwungvoll Schweinsbraten mit Knödeln und Riesenschnitzel mit Erdäpfelsalat vorbei tragen. Irgendwann fügt sich alles zum Guten, man bekommt
einen Platz an einem der schlichten, unbehandelten Ahorntische und die angenehm
übersichtliche Speisekarte in die Hand
gedrückt. Neben den alpinen Standards findet
man da auch Vegetarisches, Grünkern-pflanzerl zum Beispiel oder Salate
mit frischen Wildkräutern. Hier wird bewusst gekocht.
Zwar ist nicht alles bio, doch die Engelbeckenwirte achten grundsätzlich auf gesunde Qualität des Gemüses und artgerechte Haltung der Tiere. Wenn man seine Lieferanten
persönlich kennt, weiß man auch, dass man
das Beste bekommt. Überhaupt muss im
Engelbecken alles stimmen, darauf legt man Wert. Das fängt beim pfiffigen Service an, der souverän auch schwierige
Charlottenburger Promis zufrieden stellt, geht weiter über die Auswahl an Bier aus kleinen Brauereien, bis hin zum
perfekten Geschmack selbst der einfachsten Speisen: Weil ihr die Produkte der
Lieferanten nicht so richtig
schmeckten, macht die Chefin
inzwischen sogar die hervorragenden Bratwürstel
selbst. Wer kann, der kann, so ein
bayerisches Sprichwort. Michael Pöppl in Zitty Spezial Essen + Trinken 2010/2011 Charlottenburg, Witzlebenstr. 31, U-Bahn:
Sophie-Charlotte-Platz, bitte Reservieren:
030 615 28 10, Mo-Fr ab 17 Uhr, Sa ab 16 Uhr, So ab 12
Uhr, www.engelbecken.de Eines
Tages war unser Lieblingsbayer in Kreuzberg weg, mit Freunden standen wir vor
runtergelassenen Rollos am Engelbecken. Kein Leberkäs, kein Schweinsbraten, kein
Kaltenberg Helles vom Fass - nie mehr. Meine Stimmung war lausig. Der grantige
Eigentümer hatte angeblich die Betreiber vergrault. Ab da boykottierte ich
seine Biometzgerei. Anderthalb Jahre später entdeckte meine Freundin beim
Spaziergang durch unseren Kiez, dass »der Grieche« um die Ecke umgebaut wurde.
Der stilisierte Enzian auf dem Zettel im Fenster sah aus wie der des
Engelbeckens. Die leise Hoffnung bestätigte sich. Gleich nach der Eröffnung
waren wir da, einige der Bedienungen kannten uns noch. Elf Jahre, viele Biere
und Schweinsbraten ist das jetzt her. Bis heute behaupte ich, dass mir das
Engelbecken nach Charlottenburg hinterher gezogen ist. Weil es spürte, dass es
mir fehlte. Auch wenn es das nie zugeben würde. Michael
Pöppl ist Journalist, Leseratte und Wirtshausgänger. Bestbesetzung also für
einen Text über Lokale, in denen Berlin-Romane spielen. ESSEN' TRINKEN ZITTY
SPEZiAl 2011/2012 Neben dem einfachen, aber
schönen Ambiente mit hellen Holztischen und dem immer freundlichen und
aufmerksamen Service besticht das Lokal vor allem durch seine hervorragende
alpenländische Küche. Es gibt nicht nur traditionelle bayerische Gerichte wie
beste Weißwürste oder Schweinsbraten mit Knödeln und Blaukraut, sondern auch
italienisch Beeinflusstes. Bei der Auswahl der Zutaten wird auf gesunde
Produkte Wert gelegt, das Fleisch kommt aus artgerechter Haltung. Unbedingt
reservieren! Witzlebenstr. 31, [U] Sophie-Charlotle-Platz, Tel.: 6152810, Mo-Fr 17-1 Uhr, So 16-1 Uhr, So 12-1 Uhr. Hauptspeisen 10,50-22 €. www.engelbecken.de Engelbecken Witzlebenstraße 31, Charlottenburg Tel. 615 28 10, www.engelbecken.de U-Bhf.
Sophie-Charlotte-Platz, S-Bhf. Messe Nord/lCC, Bus M49, X49, X34, 204, N2 Mo-Fr
17-1 Uhr, Sa 16-1 Uhr, So 12-1 Uhr, Küche bis 23.30 Uhr Plätze innen 100, außen 70 Rauchen nur draußen, Decken im
Winter Das
zweitbeste ist ein Spaziergang am Lietzensee - vor oder nach dem Essen beim
Alpenländer. Klassiker wie Tafelspitz vom Bio-Rind oder ein saftiges Wiener
Schnitzel stillen den großen Hunger, Weißwürste und Leberkäs' den kleineren.
Und für den süßen Zahn- klar, da gibt es in diesem Restaurant natürlich einen
warmen Apfelstrudel. Preise
Speisen 10,50 bis 19,50 €, Softdrinks ab 2 €, Bier (0,3 I) ab 2,30 €, Wein (0,2 I) ab 4,80 €, FI. Wein
(0,751) ab 18,50 €;
EC-Karten,
aus tip edition SPEISEKARTE 2011
Eine halbe Stunde ist jedoch viel zu kurz für ein Gespräch mit Maren Kroymann.
Die Schauspielerin, Kabarettistin, Sängerin und studierte Anglistin und
Romanistin hat einfach zu viel zu erzählen. Dabei redet die 59-Jährige schon so
schnell, dass man mit dem Denken und Aufschreiben kaum hinterherkommt. Und sie
nicht mit dem Trinken: Am Ende des Gesprächs wird ihr Glas Kefirschorle noch
zur Hälfte voll sein.
Wie bitte? Kefirschorle? Ganz richtig. „Das ist ein Getränk, das polarisiert.
Viele finden es einfach Bööööaaaah“, sagt sie, tut, als müsse sie sich
übergeben, und grinst dabei breit. „Probieren Sie doch mal.“ Es macht ihr
nichts aus, das Glas mit jemandem zu teilen, den sie eben kennengelernt hat.
„Das lappt einem so schön säuerlich erfrischend entgegen, oder?“ Sie liebt
ungewöhnliche Getränke. Wenn sie irgendwo etwas auf der Karte sieht, das sie
noch nicht kennt, muss sie es sofort ausprobieren.
Am Engelbecken mag sie nicht nur die Kefirschorle und die „netten Betreiber“,
sondern auch die anderen Gäste. Oft ist es hier so voll, das sie mit Fremden am
Tisch sitzt und sich unterhält. „Ich habe das Gefühl, dass das alles
feinsinnige, angenehme, kultivierte Menschen sind, nicht so poltrige Leute und
vor allem keine Angeber.“ Damit hat sie auch gleich eine sehr treffende
Selbstbeschreibung geliefert. Maren Kroymann ist aber so vielschichtig, dass
die paar Adjektive noch lange nicht ausreichen. Denn auch das Polarisierende –
wie die Kefirschorle – und das Ungewöhnliche ist irgendwie typisch für sie.
Während sie früher in Comedy-Serien und in ihrer eigenen Satiresendung als
Nachtschwester Kroymann zu sehen war, ging es in ihren letzten Filmen sehr
ernsthaft um Tabubrüche: Sadomasochismus, Sex mit einem Minderjährigen,
Postnatale Depression. Ihr neuer Film „Das Fremde in mir“ kommt im Herbst in
die Kinos.
„Ich habe so extrem zwei Gesichter“, sagt Maren Kroymann, meint damit
allerdings weniger ihre Arbeit als ihr Erscheinungsbild: das öffentliche,
sorgfältig von einer Maskenbildnerin geschminkte, mit dem sie im Engelbecken
erschienen ist, und das „private verhuschte mit Brille, wenn ich nach dem
Qigong schnell auf den Markt gehe“. Und noch so etwas Gegensätzliches: Meistens
spielt sie Mutterrollen, hat aber selbst nie Kinder bekommen. „Mit Kind hätte
ich mir zuerst mein Künstlerdasein zwischen allen Stühlen nicht zugetraut. Und
später bin ich dann ja lesbisch geworden. Da wurde es leider zu kompliziert.“ Daniela
Martens
Engelbecken, Witzlebenstr. 31, Mo–Sa 17–1 Uhr, So 12–1 Uhr; Tel. 49 30 615
28 10
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.07.2008) Engelbecken
Witzlebenstr. 31, Berlin Charlottenburg
Kunstzeitung 161
/ Januar 2010
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